Kulturpreis 2026
Textauszug aus der Pressemitteilung der Schaumburger Landschaft:
„Einstimmig hat die Jury den Kulturpreis des Landkreises Schaumburg, der in diesem Jahr für den Bereich „Landschaft“ im Sinne der Heimatpflege ausgeschrieben wurde, der Schaumburger Waldimkerei zuerkannt, die 2003 von Anna-Lisa Giehl in Reinsdorf gegründet wurde. Sonderpreise erhalten die Kleine Süntelbuchen-Baumschule von Wolfgang Seifert und die Wegraine AG Schaumburg, vertreten durch Karl Heinrich Meyer.
Mit der Vergabe des Kulturpreises ehrt der Landkreis Schaumburg mit der Schaumburger Waldimkerei eine Institution, die in herausragender Weise die Landschaft im Schaumburger Land im Sinne der Heimatpflege erhält und gestaltet, bei der sowohl die Schönheit der Natur als auch das vielfältige Wirken von Menschen für Flora und Fauna sichtbar wird.
Mit dem Projekt „Mensch – Biene – Landschaft“ hat Anna-Lisa Giehl einen einzigartigen Ort rund um das Thema Bienen geschaffen, an dem das Zusammenspiel von Natur, Kultur und menschlichem Handeln unmittelbar erfahrbar wird. Seit über zwei Jahrzehnten entwickelt sich anhand der Schaumburger Waldimkerei eine vielfältige Kulturlandschaft aus Streuobstwiesen, Blühflächen, Hecken und naturnah gestalteten Lebensräumen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Honigbienen als verbindendes Element – ihr Honig ist gewissermaßen die „Essenz“ dieser Landschaft. Zudem stehen sie für die jahrhundertealte Kulturtechnik der Imkerei und zeigen, dass Landschaft immer auch durch menschliches Handeln geprägt ist. Besonders hervorzuheben ist die intensive Bildungsarbeit des Projekts: Jährlich besuchen zahlreiche Schulklassen und Gruppen das selbst gestaltete Gelände, um ökologische Zusammenhänge praxisnah zu erleben. Dabei werden Kinder und Jugendliche nicht nur informiert, sondern aktiv eingebunden und zu eigenem Handeln angeregt. Das Projekt verbindet so auf vorbildliche Weise ökologische Gestaltung, kulturelle Ausdrucksformen und pädagogische Vermittlung.
Seit 1998 vergibt der Landkreis Schaumburg in Zusammenarbeit mit der Schaumburger Landschaft in lockerer Folge einen Kulturpreis, um Kunst und Kultur in der Region zu fördern. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Stiftung Sparkasse Schaumburg unterstützt. Der hochkarätigen Jury zum Bereich „Landschaft“ gehören die Landschaftsplanerin und Ökologin, Prof. emer. Dr. rer. hort. Christina von Haaren, Leibniz Universität Hannover, der Diplom-Agraringenieur und kommissarische Geschäftsführer des Niedersächsischen Heimatbunds, Florian Friedrich, der Biologiedidaktiker Prof. Dr. Jorge Groß, Leibniz Universität Hannover, der Nachhaltigkeitswissenschaftler und Leitende Projektreferent der Niedersächsischen Bingo-Umwelt-Stiftung, Simon Hein sowie der Diplombiologe und Leiter der Vegetationskunde/ÖSSM des Naturparks Solling-Vogler, Dr. Ansgar Hoppe an.“
Anbei die Dankesrede von Anna-Lisa Giehl anlässlich der Preisverleihung in der Wandelhalle in Bad Nenndorf am 22.06.2026
"Wenn man selbst ein Unternehmen gegründet hat und als Initiatorin eines gemeinnützigen Projektes, hat man eine Idee davon, welche Anstrengungen notwendig sind, bis es zu solch einer feierlichen Preisverleihung kommen kann.
Deshalb geht mein Dank zu allererst an den Landkreis Schaumburg, der mit der Vergabe des Kulturpreises seit beinahe 30 Jahren ein Zeichen für die Förderung von Kunst und Kultur in der Region setzt.
Mein Dank gilt der Schaumburger Landschaft als ausführendem Verein dafür, dass sie dem Kulturpreis ein Gesicht verleiht und sich so professionell um die Betreuung und Auswahl aller Beteiligten einsetzt.
Danken möchte ich der Jury, die sich die Zeit genommen hat, sich gemeinsam mit den eingereichten Bewerbungen zu befassen.
Und nicht zuletzt der Stiftung der Sparkasse Schaumburg, dank derer finanziellen Unterstützung eine Preisvergabe in diesem Rahmen überhaupt erst möglich wird.
Hinter allen genannten Institutionen stehen engagierte Menschen, die ihre Arbeit nicht nur aus Pflichterfüllung tun, sondern die sich verantwortlich fühlen, mit ihrem Handeln positive Akzente für eine lebenswerte Heimat zu setzen.
Ich bin dankbar dafür, dass ich in einem Land und in einer Zeit lebe, wo dieses möglich ist!
Als ich in der Zeitung von der Ausschreibung des diesjährigen Kulturpreises las, hat es mich sofort gepackt. Es fühlte sich an wie eine direkte Aufforderung, mein Wirken und Bestreben der letzten 25 Jahre zusammenzufassen.
Und es hat geklappt! Über die offizielle Anerkennung freue ich mich wirklich sehr.
Dass ich hier heute stehe und vor Ihnen sprechen darf hat natürlich eine Geschichte:
Zu meinem 18. Geburtstag habe ich den ersten Bienenschwarm geschenkt bekommen. Von meinem damaligen Freund, Hobbyimker, späteren Ehemann und Vater unserer gemeinsamen vier Kinder.
Nach dem Abitur am Ratsgymnasium ging ich nach Celle, um am Bieneninstitut eine Ausbildung zur „Tierwirtin mit Schwerpunkt Bienenhaltung“ zu machen. Von da an widmete ich mein Leben den Bienen und sie wurden, neben meinen Kindern, zu meiner wichtigsten Inspirationsquelle.
Das Schicksal wollte es, dass wir 2003 das ehemalige fürstliche Forstgehöft in Reinsdorf von der Klosterkammer Hannover auf Erbpacht erwerben konnten. Schnell wurde mir klar, dass ich dieses wunderbaren Ort am Südosthang der Bückeberge weiteren Menschen zugänglich machen wollte.
Wenige Jahre später gelang es uns, das 1,5 ha große Gelände rund um das Forsthaus zu kaufen. Mit der Begründung, dass wir eine Streuobstwiese anlegen wollten, um unseren Besuchern das harmonische Zusammenwirken von Menschen, Bienen und Natur praxisnah veranschaulichen zu können. Schon seit 2008 wurden wir zum außerschulischen Lernort.
Abermals ein paar Jahre später gelang es meinem (inzwischen Ex-) Mann, mit einer gehörigen Portion Weitsicht, den angrenzenden 2,5 ha großen Acker zu erwerben. Auch dieser wurde mit Obstbäumen und einer Haselnusshecke eingefriedet. Seitdem fährt dort kein Trecker mit Spritze mehr, stattdessen erobern sich Distelfinken und Schwalbenschwänze neue Refugien.
Eine vorzeitige Erbschaft meines inzwischen leider verstorbenen Vaters beschenkte mich mit dem Startkapital für den Bau des Schaumburger Bienenhauses.
Diese ganzen Jahre des Aufbaus der Imkerei, der Erschließung und Bepflanzung des Geländes und der Gründung des gemeinnützigen Vereins wären nicht möglich gewesen ohne einen enormen Rückhalt und eine große Unterstützung durch die Familie und mein Team an motivierten Mitarbeitern und Helfern.
Besonderen Dank möchte ich meinen 4 Kindern aussprechen. Ihr seid mein größte Herausforderung und meine größten Triebfedern zugleich! Ich bin so dankbar über eure Verbundenheit mit dem Ort. Das Preisgeld soll ein Beitrag sein für eine weitere gemeinsame Zukunftsgestaltung!
Viele von Ihnen waren schon einmal zu Besuch bei einem der Honigfeste oder einem Tag der offenen Tür im Bienenhaus. Vielleicht waren Ihre Kinder an einem Vormittag mit der Schule in der Waldimkerei oder Sie haben bei einer Veranstaltung der Kulturwabe neue Impulse bekommen können.
Oder Sie haben vom Schaumburger Gold gekostet, dem Sommerhonig aus dem Schaumburger Land, von dessen Etikett die schöne Illustration von der Einladungskarte stammt.
Vielleicht haben Sie etwas von der Hingabe bemerkt, mit der sich überall dort ein wachsender Kreis von Menschen einbringt.
Und das war und ist meine Vision:
Einen Ort zu schaffen, zu hüten und zu pflegen, an dem sich Menschen, Tiere und Pflanzen wohl fühlen. Weil sie umgeben sind von einer Lebendigkeit und Schönheit, wie sie sich in unserer Kulturlandschaft nur entfalten kann, wenn ihnen mit Achtung und Wertschätzung begegnet wird.
In Zeiten, in denen sich ein Teil der Menschheit eher mit dem Gedanken anfreundet, aus einer Besiedelung ferner Planeten Kraft für die Zukunft zu schöpfen weil die Erde bis dahin ruiniert sein könnte, finde ich es notwendiger denn je, unsere Verbindung mit dieser schönen Erde spürbar zu machen.
Die Bienen leben uns das vor. Sie fliegen aus in die Landschaft, nehmen etwas von den Blüten und geben gleichzeitig etwas zurück, indem sie bestäuben. Jede Biene setzt sich dabei, ganz auf sich gestellt, den Gefahren der Welt aus: Wetterkapriolen, Pestiziden, Windschutzscheiben, natürlichen Feinden. Kommt sie aber in den Stock zurück, erwartet sie eine Gemeinschaft, der sie vertrauensvoll ihr gesammeltes Gut überlässt. Andere, jüngere Bienen bereiten daraus den kostbaren Honig, den das Volk für sein Überleben braucht.
Ich finde, wir Menschen brauchen wieder mehr Räume, in denen wir diese Erfahrung des Bienenstockes machen.
Das Bienenhaus, eingebettet in die intakte Landschaft drum herum, kann so ein geschützter Raum sein.
Ich lade Sie herzlich ein, einmal vorbeizukommen!"